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Zeit für mehr Sichtbarkeit

Leistung bringt unsere Gesellschaft voran: Sie sichert Wohlstand, fördert Innovation und stärkt das Gemeinwohl. Dabei zeigt sich Leistung in vielen Formen, ob im Beruf, in der Familie oder im sozialen Engagement. Doch wessen Leistung wird gesellschaftlich gesehen, anerkannt sowie gewürdigt und wessen Leistung bleibt unsichtbar?

 

Eine gesellschaftliche Gruppe, deren Leistung noch nicht ausreichend wahrgenommen wird, bilden Kinder und Jugendliche mit Migrationsbezug. Sie leisten einen signifikanten Beitrag für unsere Gesellschaft, der noch nicht die gesellschaftliche Anerkennung und Wertschätzung bekommt, welche dieser verdient. Viele Kinder und Jugendliche unterstützen ihre (oft mehrfach belastete) Familie aktiv, z.B. durch Übersetzen, Dolmetschen, Begleitung bei Behördengängen oder in medizinische Einrichtungen.

 

Hierbei betont Van Anh Bach (2019)[1], dass diese umfassende Tätigkeit im öffentlichen Diskurs stark unterschätzt wird. Denn diese Aufgaben gehen weit über die reine Sprachmittlung hinaus:  Kinder und Jugendliche sind nicht nur bei dem eigentlichen Termin anwesend, sondern rufen oft vorher an, um den Termin auszumachen, werden gebrieft, um die Anliegen der Eltern vertreten zu können, füllen Anträge aus und setzen sich mental intensiv mit den Themen auseinander. Dabei müssen Kinder und Jugendliche häufig sehr früh Eigeninitiative ergreifen und zahlreiche Hindernisse, u.a. den selbstständigen Spracherwerb und das Navigieren durch das deutsche Schulsystem aus eigener Kraft überwinden. So entwickeln sie Widerstandskraft, weil sie diese auf ihrem Bildungsweg brauchen und lernen, Eigenverantwortung, aber auch Verantwortung für andere, zu übernehmen.

 

Doch diese Art der Sorgearbeit wird bislang unzureichend wahrgenommen. Studien zeigen, dass das Engagement von Kindern und Jugendlichen häufig als selbstverständlich und nicht als eine Form der Arbeit – und somit als relevanter gesellschaftlicher Beitrag – betrachtet wird, da ihr kein wirtschaftlicher Mehrwert zugeordnet wird. Aber Sprachmittlung trägt wesentlich zur Lebenssicherung von Familien mit Migrationsbezug bei, da viele Eltern ohne die Unterstützung ihrer Kinder aufgrund ihrer beschränkten Sprachkenntnisse nicht in der Lage wären, ihrem Arbeitsalltag nachzugehen (Bach 2019). Und doch findet dieser Einsatz und all die Anstrengungen keinen sichtbaren Eingang in den CV. Die dabei erworbenen Fähigkeiten werden innerhalb des Schulsystems weder gesehen noch honoriert. Sie bleiben unsichtbar. Und genau das können wir gemeinsam durch einen Paradigmenwechsel ändern!

 

Dies kann uns gelingen, indem wir junge Menschen ermutigen, sich über die Bedeutung der Arbeit, die sie für ihre Familie und Gesellschaft generell leisten, bewusst zu werden (Bach 2019). START bestärkt in seinen Förderprogrammen die geförderten Jugendlichen, offen mit ihrer eigenen Geschichte umzugehen und diese zu erzählen, sodass ihre Lebensrealität sichtbar wird. Weiterhin ist es wichtig, bereits junge Menschen mit Migrationsbezug als Leistungsträger*innen anzuerkennen, die einen wichtigen Einfluss auf die Gestaltung unserer Gesellschaft nehmen. So erkennen wir ihre Leistungen als soziales Engagement an und sehen dieses Auswahlkriterium für unser Stipendienprogramm somit als erfüllt an.[2] Ferner sollten wir, inspiriert durch die wertvolle Arbeit von Organisationen wie Netzwerk Chancen und SWANS, die Entwicklung von Stärken wie „Widerstandskraft“ und „Verantwortungsbewusstsein“ für unsere Gesellschaft neu denken. Hierfür können wir Martha A. Dudzinskis (Managing Partner der SWANS Initiative und Autorin) Beispiel folgen und Bewerber*innen im Interview fragen, wann sie das erste Mal in ihrem Leben Verantwortung übernahmen. Dies ist ein wertvolles Praxisbeispiel, um die Leistung junger Menschen mit Migrationsbezug auch in der Arbeitswelt sichtbar zu machen und zu honorieren.

 

Tipps für Ihre Organisation

 

 

[1] Bach, Van Anh. 2019: Sprachmittlung durch Kinder und Jugendliche : eine retrospektive Studie – Deutsche Digitale Bibliothek

[2] Mehr hierzu erfahren sie in diesem Blog-Artikel: Sind Stiftungen und Organisationen Türsteher? – START-Stiftung 

 

Ein Beitrag von START-Mitarbeiterin Efpraxia Dermitzaki

 

 

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