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Perspektivwechsel statt Problemfokus

Mehrsprachigkeit als Stärke und gesellschaftliche Ressource neu denken

Für viele Mitglieder unserer Gesellschaft ist Mehrsprachigkeit ein Teil ihrer Lebensrealität. Immer mehr Menschen wachsen mehrsprachig auf, wechseln selbstverständlich zwischen unterschiedlichen Sprachen und fördern so die zwischenmenschliche Verständigung in unserer Gesellschaft. Sprachliche Heterogenität ist also Teil unserer Gesellschaft. Jedoch wird Mehrsprachigkeit häufig als Herausforderung anstatt als Zusatzqualifikation, Ressource oder Potenzial gesehen. Mehrsprachigkeit erfährt demensprechend nicht die Wertschätzung, die sie verdient. Das müssen wir im Sinne einer chancengerechten Gesellschaft ändern!

 

Sprachen sind identitätsstiftend

Beate Lütke, Professorin für Didaktik der deutschen Sprache/Deutsch als Zweitsprache, zeigt auf, warum eine wertschätzende Haltung gegenüber Mehrsprachigkeit gesellschaftlich relevant ist: „Die Sprachen, mit denen ein Kind aufwächst, sind maßgeblicher Bestandteil seiner familiären, sozialen, kulturellen und gesellschaftlichen Identität. Deshalb ist es wichtig, dass diese Sprachen nicht nur im privaten, sondern auch im öffentlichen Raum – insbesondere im Kindergarten und in der Schule – Wertschätzung erfahren und für das gesamtsprachliche Lernen genutzt werden“.[1]

 

Die gesellschaftliche Hierarchie der Sprachen

Sprache ist also nicht nur ein Werkzeug der Kommunikation, sondern auch ein Ausdruck von Zugehörigkeit. Doch unterschiedlichen Sprachen kommen auch unterschiedliche Stellungen zu. In Bezug auf den Schulkontext sprechen Inci Dirim und Natascha Khakpour von einem „hierarchischen Verhältnis“, das zwischen Sprecher*innen von wertvollen und lernenswerten Sprachen und solchen, die dies nicht sind, unterscheidet.[2] Margarete Stokowski kritisiert zurecht die Aufteilung in „gute“ (z.B. Englisch, Französisch, Spanisch) und „schlechte“ Sprachen (z.B. Polnisch, Arabisch, Türkisch) sowie die Bewertung ihrer Sprecher*innen. So kommt es vor, dass Familiensprachen schon in der Schule verborgen und dann im Laufe des Karriereweges nicht im CV gelistet werden.[3] Diese Hierarchisierung fördert eine defizitorientierte Sichtweise auf Mehrsprachigkeit.

 

Mehrsprachigkeit ressourcenorientiert denken

Allerdings lenkt die Geringschätzung bestimmter Sprachen von ihrem Potenzial als Ressource ab. Ergebnisse einer Erhebung zeigen, dass die Familiensprachen in der Lebensgestaltung migrantischer Familien situationsbedingt gebraucht und deren Pflege nicht auf Kosten von Deutschkenntnissen geschieht.[4] Lebensweltlich mehrsprachig aufwachsende Kinder entwickeln schon früh ein Sprachbewusstsein und lernen, sich in komplexen Kommunikationssituationen sicher zu bewegen. Diese Erfahrungen kommen ihnen später beim Erwerb weiterer Fremdsprachen und im Umgang mit anspruchsvollen Denkanforderungen zugute. [5] Ferner zeigte eine aktuelle, groß angelegte Studie zur Untersuchung von Mehrsprachigkeit und Altern, dass Menschen, die regelmäßig mehrere Sprachen sprechen, kognitiv länger fit bleiben. Mehrsprachigkeit schützt offenbar vor beschleunigtem Altern – sie macht resilienter.[6]

 

Fazit

Sprachen sind identitätsstiftend und haben eine emotionale Bedeutung für lebensweltlich mehrsprachige Menschen. Allerdings verzerrt die bestehende Hierarchisierung von Sprachen den Blick auf die Potenziale mehrsprachiger Lebensrealitäten. Eine ressourcenorientierte Sichtweise auf Mehrsprachigkeit bedeutet, alle Sprachen wertzuschätzen und aktiv in Bildungsprozesse einzubeziehen. Nur so kann Mehrsprachigkeit als Motor für Chancengerechtigkeit, Resilienz und gesellschaftlichen Zusammenhalt wirken.

 

Tipps für Ihre Organisation:

 

[1] Aydemir, F./ Yaghoobifarah, H. (Hrsg.) (2019): Eure Heimat ist unser Albtraum. Berlin: Ullstein.

[2] Dirim, I./ Khakpour, N. (2018): Migrationsgesellschaftliche Mehrsprachigkeit in der Schule. In Dirim, I./ Mecheril, P. (2018): Heterogenität, Sprache(n), Bildung. Bad Heilbrunn: 2018, S.201-222

[3] Aydemir, F./ Yaghoobifarah, H. (Hrsg.) (2019): Eure Heimat ist unser Albtraum. Berlin: Ullstein.

[4] Fürstenau, S./ Gomolla, M. (2011) (Hrsg.): Migration und schulischer Wandel: Mehrsprachigkeit. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften

[5] ebd. (2011)

[6] Kubotsch, L. (2023): Fremdsprachen helfen dem Gedächtnis. [Online] Verfügbar unter: Mehrsprachigkeit hält das Gehirn fit | tagesschau.de[Letzter Zugriff: 16.02.26]

 

 

Ein Beitrag von START-Mitarbeiterin Efpraxia Dermitzaki

 

 

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